… auch wenn wir das zwischen all den wild gewordenen LKWs auf dem Highway heute mehrfach bezweifelt haben
Kurzes Update 29.12.2010:
Wir sind nach ein paar anstrengenden Stunden im Sattel endlich in Bangkok angekommen und haben eine Bleibe für die Nacht gefunden.
Erster Eindruck von der thailändischen Hauptstadt:
Groß und laut – ein richtiger Großstadt-Moloch.
Wir lassen uns nicht abschrecken und freuen uns auf die nächsten Tage hier. Nach “sexy” Pattaya kann uns sowieso nicht mehr viel schocken ;-(
Die Idee mit den Polizeiaufklebern geht in Bangkok irgendwie nach hinten los:
Innerhalb von ein paar Stunden drei Polizeikontrollen. Zwischenstand bis 16 Uhr – noch kein Strafzettel und Schmiergeld bezahlt!
JA – wir waren in Pattaya!
JA – es ist so wie man es sich vorstellt!
NEIN – es hat uns nicht gefallen!
Was für ein widerlicher Ort …
Wir möchten auf unserer Weltreise nicht nur die schönen Dinge kennen lernen – auch die Schattenseiten der bereisten Länder haben einen Reiz auf uns.
Die Stadt Pattaya gehört definitiv zu der dunklen Seite von Thailand. Ich weiß nicht so recht, womit ich anfangen soll. Sind es die tausenden, schwitzenden, notgeilen Männer aus aller Herrenländer, die traurigen (lachenden) Gesichter der Thais, der allgegenwärtige Konsumrausch, die erschlagene Katze vor einem Café oder einfach nur der teilweise bestialische Verwesungsgeruch aus der überlasteten Kanalisation, den ich nicht mehr aus der Nase kriege …
Wir wussten was uns hier erwarten würde und wollten es hautnah erleben. Auch wenn wir alles gemacht haben, um uns in Partylaune zu bringen und das sündige Nachtleben zu genießen – ich weiß nicht wie besoffen man sein muss, um das menschliche Elend (auf beiden Seiten des Geldbeutels) toll zu finden.
Dagegen ist St. Pauli ein familienfreundlicher Spielplatz
Klar haben wir in Pattaya auch Spaß gehabt, durchgeknallte Menschen kennen gelernt und insgesamt eine sehr interessante Nacht verbracht, aber das ABER war größer als die positiven Erlebnisse.
Ich glaube am Meisten hat mich der Anblick der älteren Männer traurig und nachdenklich gemacht. Die Mehrzahl von ihnen hat Ihre besten Jahre anscheinend hinter sich. Nun sitzen sie schweigend neben ihren halbnackten “girls” in einer der vielen grellen Bier-Bars, schauen traurig auf die Fußballübertragung über dem Kopf der Barfrau und trinken überteuertes holländisches Bier aus isolierten Flaschen.
Werde ich irgendwann mal auch hier sitzen, wenn mein Leben schief laufen sollte? Mit weißen Socken in Birkenstocks, einen engen Muskel-Shirt über dem Bierbauch und billiger Gold-Kette am faltigen Hals, um mir für ein paar Euro am Abend das Gefühl von Zuneigung und Dazugehörigkeit zu erkaufen?
Für mich ist die Antwort ganz klar und ich bin froh Pattaya erlebt zu haben.
Diese Stadt wird mir noch lange in Erinnerung bleiben …
Ich weiß nicht wie meine ferne Zukunft aussehen wird, aber jetzt weiß ich ganz genau wie sie NICHT aussehen soll
…
…
Wir haben uns heute trotz eines ordentlichen Katers wieder auf dem Weg gemacht und diesen unwirklichen Ort ohne ein “Auf Wiedersehen” verlassen.
Wenn alles gut läuft erreichen wir morgen Mittag Bangkok. Wir freuen uns schon auf den kommenden Silvester und vor allem auf das Wiedersehen mit unseren lustigen Holländern Lisette & Edwin.
Zum Schluss noch zwei Leckerlis aus der Kategorie WTF?! in Pattaya
Wir haben dieses Jahr Pfeffernüsse gegen frische Erdnüsse, Glühwein gegen kühle Cocktails und Gänsebraten gegen Fisch-Barbeque am Strand eingetauscht. Was im winterlichen Deutschland vielleicht Sehnsüchte weckt ist für uns derzeit eine der härtesten Prüfungen dieser Weltreise.
Wir vermissen vielleicht nicht den Schneematsch, aber wir vermissen jeden einzelnen von Euch. Und in der Ferne fragen wir uns, ob wir so weit reisen mussten um den wahren Grund von Weihnachten wieder für uns zu entdecken?!?!
Demnach geht es nicht um Geschenke, Festessen und 4 Wochen lang Weihnachtsstress, sondern darum, an diesem Tag seine Liebsten um sich zu haben, sie zu knuddeln, mit ihnen eine schöne Zeit zu verbringen und sich zu freuen, dass man so tolle Familienmitglieder und Freunde hat.
Dieses Weihnachten sind wir also zu zweit und machen das Beste daraus obwohl wir Euch alle schmerzlich vermissen. Und das beinhaltet, an Euch alle zu denken und Euch einen Platz in unserem Herzen zu schenken.
Ja Ja Ja!
Heute ging es mit unserem umgebauten Bike endlich auf die Piste!
OK ganz ruhig mein Kleiner – immer locker durch die Hose atmen
Die Vorfreude war auf den Fall größer als die Fahrfreude.
Nach genau 1,9 km fühlte ich auf einmal wie das Hinterrad zu “schwimmen” begann. Stellt Euch vor mit 50 km/h auf einer Eisfläche bremsen zu wollen – so ungefähr hat es sich angefühlt, als der Hinterreifen von der Felge sprang und ich panisch versuchte auf dem Highway Nummer 3 auf der blanken Felge zum Stehen zu kommen, ohne uns auf dem Asphalt zu verschmieren.
Das “lalala good luck with motorbike lalala” hat uns diesmal vor Schlimmerem bewahrt!
Natalia begriff erst ein paar Minuten später was passiert ist, als Sie meine zitternden Hände sah.
Nach meinen schmerzhaften Erfahrungen in Kasachstan habe ich großen Respekt vor dem unkontrollierten Bodenkontakt und bin sehr froh, diesmal die Räder unter mir halten zu können.
WAS ist also passiert?
Ganz klar: Meine lieben Mechaniker haben gestern bei dem Einbau des Hinterrads Mist gebaut.
Das Ventil verabschiedete sich bei der Belastung und die Luft war innerhalb weniger Sekunden raus … Glück im Unglück würde ich sagen!
Nach ca. 2 Stunden war alles wieder einsatzbereit. In der Zwischenzeit haben wir einiges über den Edelsteinhandel in Chanthaburi erfahren und einen fischen Eiskaffee genossen. Danach ging es auf unserer knallroten Teufelsmaschine weiter …
Vor dem Sonnenuntergang erreichten wir müde aber glücklich unser Tagesziel.
An der Küste südlich von Bangkok wollen/müssen wir alleine unter Thais Weihnachten verbringen …